Ich und das Was auch immer
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Er presste die Hand auf seinen Mund, um zu verhindern laut aufzuschreien. Seine Augen waren klar und spiegelten die Rücklichter der vorbeifahrenden Autos. Er fürchtete, der Nebel in seinem Kopf könnte entweichen, wenn er jetzt etwas sagte, und war nicht sicher, ob ihn das freuen würde oder nicht. Irgendwo hörte er es wieder klopfen und die Stimmen wurden lauter, auch wenn er kein Wort verstand. Sie versuchen wieder einmal die Tür zu öffnen. Das durften sie nicht. Auch wenn die Ketten alt und rostig waren, hielten sie doch stand. Er erwog, erneut ein Brett davor zu nageln, um sich wieder sicher zu fühlen. Wie lange waren sie nun schon eingesperrt? Er konnte sich nicht erinnern, wahrscheinlich waren sie schon immer da drin, aber er wusste, dass sie einst am Leben teilgenommen hatten. Wer hatte überhaupt die Tür zugemacht? Sie hatten ihr Geheimnis mitgenommen und ihre Gesichter erinnerte längst keiner mehr. Wer waren sie eigentlich?
Er wusste, es war gefährlich zu zweifeln. Darum ignorierte er auch das weitere Kratzen und Schaben. Dennoch ließen ihn seine Gedanken nicht los. Sie haben ihr Leben in einem dreckigen Keller verbracht, dachte er. Und das, obwohl sie genauso zu mir gehören wie die anderen. Wo waren die jetzt überhaupt? Er wusste dass sie ihn beobachteten, das taten sie immer. Sie ließen ihn machen, warum auch immer. Was gab es für Alternativen? Warum nahm man nicht die Ketten ab, ließ sie frei?
Ohne es zu merken, war er wieder abgebogen, in den kleinen Park mit dem Bach zwischen den Häusern. Auch das sollte er eigentlich nicht tun, sie hatten zu arbeiten und er hätte sie pünktlich dort hinfahren müssen. Er spürte die Verachtung, die in seinen Gedanken lag und bereute sie nicht.
Irgendwo splitterte Holz, als er sich auf einer Bank niederließ. ‚Gut so!’, sagte er laut, ‚Kämpft!’. Es geht schließlich um unser aller Leben, fügte er in Gedanken hinzu. Seine Scheu gewann die Oberhand und er sah sich erschrocken um, als habe jemand ihm beim Einbruch ertappt.
Die Stimmen waren verstummt und die plötzliche Stille in seinem Kopf machte ihn nervös, so dass er routinemäßig nach einer Zigarette griff. Lange Zeit war nichts zu hören außer dem Wind – er schien durch seine Ohren hindurch den Nebel zu verwirbeln – und den vertrauten Geräuschen der Außenwelt. Darum rechnete er schon nicht mehr damit, als die Ketten nachgaben und zu Boden fielen. Und als er das Knarren vernahm, als viele kleine Hände gemeinsam die Tür aufstießen, begriff er den Fehler, der in ihm und allen Dingen lag.

In Panik stieß sie ihn beiseite, sprang verzweifelt durch den Flur und weinte, weil sie keinen Unterschied zu ihrem bisherigen Lebensraum fand. Sie warf sich gegen die Wand in der Hoffnung, sie würde den Weg in eine andere Welt freigeben und sie endlich erlösen. Wieder und wieder stemmten sich die kleinen Schultern gegen das verputzte Mauerwerk, bis sie schließlich erschöpft zusammenbrach und in Wimmern unterging. Von Zeit zu Zeit von Emotionen überwältigt sich aufbäumend, gab sich das kleine Wesen ganz seinen Tränen hin und nahm nicht einmal wahr, dass er wieder neben sie getreten war und sie ausdruckslos beobachtete, während in seinem Kopf die Gedanken rasten. Er war erschüttert, wie jung und zerbrechlich sie wirkte, er hatte anderes erwartet, und wusste doch nicht, was. Einen Dämon vielleicht, ein Ungeheuer, hinterlistige Schurken oder eine verhutzelte, hässlich kichernde böse Hexe, aber das? Ein kleines Mädchen? Aber er bemerkte auch, dass sie beide nicht allein waren, mehr als ein Paar Augen lugte aus der Tür, die bis auf einen Spalt zugezogen war, hervor.
Er stand im matt erleuchteten Keller wie so oft. Die Tür, durch die er diese Welt verließ, war verschlossen und in den schmutzigen Flur sah er nicht viel mehr als Umrisse. Neben der Stelle, an der das Kind nun lag, befand sich eine weitere Tür aus Holz und Blech, was hinter ihr lag wusste er nicht. Die Tür, die er so lange verschlossen gehalten hatte ohne zu wissen warum, war kaputt und sah aus, als hielte sie keiner Berührung mehr stand. Auf dem staubigen Steinboden wurden seine Füße kalt. Ob sie nicht fror? Er sah sie an und sie schluchzte, als hätte sie seinen Blick gespürt. Und als sie nach langer Zeit endlich aufgab und kraftlos als ein Häufchen Elend liegen blieb, trat ein weiteres Wesen aus dem Dunkel. Er registrierte es sofort und richtete sich auf.
Was da vor ihm stand, war größer und knochiger, die Augen waren dunkel und eingefallen, das schwache Licht warf bedrohliche Schatten darin. Es schien keine Angst zu haben, stellte er verwundert fest. Die Ausstrahlung war die eines Straßenkindes, krank, schwach und kaputt, dennoch mit einer inneren Kraft, die ihm den Willen zu überleben gab. Es sah ihm direkt in die Augen, er hielt stand.
‚Hast du die Tür geöffnet?’
Er war bereits versucht, zu antworten, nicht er, sondern sie selbst hätten die Tür aufgestoßen, doch ihm war klar was sie meinten. Ein leiser Zweifel hatte genügt, sie zu befreien. Das war der Schlüssel.
‚Ich glaub schon.’
Eine lange Pause folgte, nun wandte er doch seinen Blick ab. In der Stärke seines Gegenübers sah er seine Schwäche, und die Ungewissheit um die Richtigkeit seines Tuns wandelte sich in nagende Zweifel. Hatte er versagt? Was er all die Jahre getan hatte, zunichte gemacht? Er wollte dieses Wesen nichts davon wissen lassen und brach das Schweigen.
‚Wer bist du?’
‚Wir sind die Schattenkinder. Wenn du so willst, das Leben hinter der Tür.’
Nun erkannte er auch, dass das ‚Schattenkind’ offenbar ein Mädchen war, er schätzte sie auf vielleicht elf, zwölf Jahre. Ihr Blick war bei seiner Frage abweisend geworden, sie stellte sich seiner Frage als sei sie ihr Schicksal selbst. Auch hatte sie nicht für sich selbst gesprochen, keine Namen genannt. Dennoch hatte sie ihm mit ihrer Antwort die Erlaubnis gegeben, das Gespräch fortzusetzen. Jedenfalls wirkte sie weder beleidigt noch angegriffen. Ihm war schon vom ersten Moment an klar, dass er von ihr nur so viel erfahren würde wie sie preisgeben wollte.
‚Bist du die Älteste bei euch?’, fragte er schüchtern. Es war eher eine rhetorische Frage, sie wirkte wie das Oberhaupt ihrer kleinen Familie. Die Antwort war genauso rhetorisch wie unbefriedigend.
‚Finde es heraus!’ Und damit drehte sie sich um, hob das kleine Mädchen huckepack auf ihren Rücken und trat zurück in den Keller. Die Tür zog sie heran, ehe er sehen konnte was sie verbarg. Aber er hätte schwören können, dass sie ihm zugelächelt hatte, ein kleines, aber feines, schelmisches Zucken der Mundwinkel war es gewesen, aber es war eine Befreiung für ihn, weil es ein Zugeständnis an ihn war. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, dachte er und ging leise die Treppen wieder hinauf. Oben warteten bereits die anderen.

„Du führst eigenartige Selbstgespräche, wenn du den Keller betrittst.“
Er musterte Saskia kühl und ihr ironisches Grinsen konnte sie nun kaum noch halten, bis es ganz ihr Gesicht verließ.
„Ich habe den Keller nicht betreten!“
In ihren Augen glaubte er die Worte ‚ewiger Verbesserer’ aufblitzen zu sehen, fühlte sich aber nicht berührt. Tatsächlich sprang er ganz automatisch in den Keller, wenn er die Außenwelt verließ. Irgendetwas wollte man dort von ihm, und immer hatte er nur gewissenhaft die Schlösser überprüft, morsches Holz herausgebrochen und Steine in die Lücken geklemmt. Hatte er sie eingemauert oder wollte er sie nur schützen?
Immer hatte er sich danach auf den Weg über die Treppe gemacht, sich im Haus oder den dazugehörigen kleinen Welten herumgetrieben. Gedanken hatte er keine weiteren verschwendet. Der Keller war sein Tor zur Innenwelt, aber erst heute hatten ihm die Schattenkinder gezeigt, wofür.
Dieses Mädchen, das nach der Kleinen kam, hatte einen so gefestigten Blick gehabt, dass ihr Alter ihn traurig stimmte. Irgendwann würde auch sie zu den Leuten gehören, die nicht aufhören können, ihrer Kindheit nachzutrauern. Weil sie nur durch andere Kind sein dürfen, weil sie die Ebene wechseln, weil sonst keiner da ist der Verantwortung tragen könnte, weil die Ketten schwer genug auf ihren Schultern wiegen.
„Glaubst du nicht, dass du uns eine Erklärung schuldest?“
Die klare Stimme Mischas riss ihn aus seinen Gedanken. Noch ein Kind, das längst keins mehr ist. Er stand vor dem großen Eingang, der sein bisschen Licht nach unten sandte, und hob sich klar von den Fenstern der Flügeltüren ab.
„Ich war’s nicht.“, sagte er müde, aber seine Augen verrieten die Anspannung, die dahinter lag. Nicht ohne Grund.
„Was glaubst du eigentlich, was Natasha draußen macht? Du kannst sie nicht immer vorschieben, um dich aus der Scheiße zu holen. Meinst du, sie könnte da runter gehen? Und alles wieder einmauern? Die schiebt doch schon Paranoia wenn man davon redet!“, keifte jetzt Natascha, und nachdem sie sich ausgiebig wütend auf die Unterlippe gebissen hatte, fügte sie etwa leiser hinzu: „Ist ja auch kein Wunder. Wer geht da schon freiwillig hin.“
„Ach!“ Er war jetzt ganz die Verachtung, die in ihm ruhte. „Aber ihr könnt andere dort einsperren, wie es euch beliebt. Da sind Kinder! Und alles was ihr tut ist Ketten davorhängen und hoffen dass niemand rauskommt und euch Angst einjagt. Damit ihr euer Leben wieder in Ordnung bringen könnt!“
„Bitte... du weißt doch dass das nicht stimmt... ich meine, es wird doch Gründe gegeben haben...“ Mischa drohte seine Fassung zu verlieren, seine sonst so selbstbewusste Stimme geriet ins Schwanken. Er war erstaunt darüber und hätte gerne noch etwas dagegen gesetzt, um Mischa so zu sehen, doch Farec kam ihm zuvor. Seine Stimme klang seltsam berechnend und nicht eine Spur überrascht oder verängstigt durch die Ereignisse.
„Gründe, Mischa, Gründe. Die hast du soeben gehört. Wenn wir heute alles einsperren würden, was Angst hat, wer bleibt dann hier und lebt? Ihr wisst ja nicht einmal, was Angst wirklich ist. Wart ihr je unten? Die da drinnen haben Angst. Man kann es riechen. Sie schwimmt durch den Türspalt und bedeckt den Boden, ihr könntet ihn vielleicht nicht einmal betreten. Und er, er ist fast jeden Tag unten, ohne sich wehren zu können. Findet ihr das schön? Ihr habt ja nicht einmal ein Gewissen, nagelt lieber noch was vor als euch eurer Angst zu stellen. Und wenn die Ketten zerreißen, bringt ihr sie um.“, und mit dem bissigsten Gesicht, dass er fertig brachte, ergänzte er: „Ihr seht ja, was dabei rauskommt.“
Er hatte Nataschas wundesten Punkt getroffen und ihre Reaktion kam sofort.
„Du blödes Schwein! Kann ich was dafür?“ Damit rannte, besser: stampfte sie die Treppen hinauf und verkroch sich in ihr Zimmer. Farec selbst sah jetzt doch etwas betreten aus, aber ihm allein fiel Mischas Abwesenheit auf. Darauf hingewiesen, machte sich Ratlosigkeit breit, und auf Saskias Gesicht war eine Spur Panik zu sehen. Sie mochte Mischa sehr und schämte sich, nicht auf ihn geachtet zu haben. Alle waren sie stumm, und von weit unten, unter den Dielen, hinter den Treppen, hörten sie leise Kinderstimmen singen. Eine alte irische Weise, die keiner von ihnen kannte, klang die Treppen hinauf, und Farec sah plötzlich sehr bewegt aus. Saskia war nervös und meinte: „Ich geh runter“, aber Farec hielt sie schon nach den ersten Stufen zurück. „Lass sie allein. Ich denke nicht, dass Gefahr besteht“. Julian, der Befreier der Schattenkinder, wandte sich an die anderen: „Ich glaube, es ist besser, wenn ihr geht. Ich würde gerne hier bleiben und warten.“ Sie nickten ohne ein Wort und er rechnete es ihnen hoch an. Bis auf Farec gingen sie die zweite Treppe hinauf, in einen Flur, der so viel heller war als der Keller und doch nur selten wärmer. „Ach ja... Saskia!“, rief er zurück, „könntest du mal nach draußen schauen? Es ist nur kurz, ja?“ Wie ein Mensch, der zu allem bereit ist, schritt sie, zwar nicht besonders erfreut, aber einsichtig, an ihm vorbei durch die große Eingangstür, um sich dem ‚Abenteuer Außenwelt’ zu stellen. Kurze Zeit später kehrte auch Natasha zurück, obwohl er erwartet hätte, dass sie einen der anderen Eingänge nahm. Energisch, gelangweilt, gereizt und müde, eben so, wie er sie kannte, lief sie an ihm vorbei, ohne ihn wahrzunehmen. Er kannte das schon, da sie in der Außenwelt zuhause war, fiel ihr der Zugang hierher schwer und ihr Blick war meist verschleiert, sie schlief fast die gesamte Zeit. Reden tat sie eigentlich nur mit Natascha, vielleicht weil sie verwandt und Nachbarn waren. Heute aber sprach er sie doch an: „Könntest du mal nach deiner Namensvetterin kucken? Sie macht sich Sorgen und ist ziemlich wütend auf mich.“ Es war ihr nicht anzumerken, ob sie ihn gehört hatte, aber er ließ sie im langen Flur verschwinden.
„Farec?“
„Ja?“, sagte die warme, vertraute Stimme, und sie klang jetzt wieder so wie er sie kannte.
„Warum hast du mit den anderen so geschimpft, wo ich doch immer derjenige war...“ Er verschlucke die letzten Worte, weil ihm keine Formulierung passend erschien.
„Der sie eingesperrt hat?“
‚Nein!’, wollte er rufen. Das war ich nicht. Stattdessen nickte er nur.
„Aber du hast doch genau das gemacht, was zum jeweiligen Zeitpunkt angemessen war.“
Julian verzog säuerlich das Gesicht. „Wegsperren? Frieren lassen?“ Er spuckte auf die Stufe vor ihm.
„Schützen. Uns vor ihnen und andersherum. Du hast den Zeitpunkt abgewartet.“ Und damit stand Farec auf und ließ ihn mit seinen wirren Gedanken allein. Also doch schützen. Und wieso gerade jetzt? Er ließ resignierend den Kopf auf die Knie fallen. Er fühlte sich trotz allem wie ein Versager und war froh, dass ihn hier niemand wahrnehmen konnte. Nicht mal in Gedanken. Er wäre nur zu gern ein wenig verzweifelt, aber er spürte, dass er das weder konnte noch durfte. Alles was blieb war zu warten und Wolken aus dem Nebel zu formen, der ihn immer und überall hin begleitete.

Er wusste nicht, wie lange er so gesessen hatte, aber er war in den Halbschlaf abgedriftet und tauchte nur langsam auf, als ihn jemand auf die Schulter tippte. „He, Julian“, sagte eine leise, vertraute Stimme von irgendwoher, und dann wurde er doch ganz wach. Als er den Kopf hob, sah er das verschlossene und erwartungsvolle Gesicht des Mädchens, dass er als Straßenkind bezeichnet hatte, und weiter hinten, ruhig und freudig, Mischa. „Ich könnte wetten, dass die Nataschas gerade Verschwörungstheorien über euch ausbrüten“, sagte er mit einem milden Lächeln. „Kommst du mit runter?“, fragte Mischa mit leicht schiefgelegtem Kopf. „Ich dachte eigentlich, du kommst mit rauf, aber ich will die Gastfreundschaft unserer neuen Freundin nicht enttäuschen“, meinte er. Das Mädchen bekam einen abfälligen Ausdruck bei ihrer Erwähnung, hatte aber ein leichtes Schmunzeln auf den Lippen, was in der Summe wiederum ihn zum Lachen brachte. Auf ihren Seitenblick hin setzte er einen entschuldigenden Ausdruck auf, sah allerdings, dass sie ihm wohlgesonnen war. Mischa sprang die Treppen im Zweiertakt hinunter und war bei weiten am Schnellsten unten, während sie das Geländer benutzte und jeden Schritt sorgsam abzuwägen schien. Julian schließlich bildete den Abschluss dieser seltsamen Prozession.

Von irgendwoher hatten sie Tee geholt und so setzten sie sich auf den Steinboden im Kreis. Julian warf einen Seitenblick auf die Kellertür, und obwohl hier mattes Licht hereinfiel, konnte er durch die halbgeöffnete Tür nichts erkennen. Nicht immer, wenn im einen Raum Licht und im anderen Dunkelheit herrscht, wird der finstere Raum durch die Tür hindurch erhellt. Manchmal ist es auch umgekehrt. Er war wohl zu neugierig, jedenfalls wandte er sich den anderen zu. Mischa hatte den verträumten Ausdruck im Gesicht, den er immer bekam, wenn sich ein Mensch seiner annahm. Die Züge des Mädchens konnte er nicht deuten, sie sah ernst aus und bedrückt, aber es war noch etwas anderes in ihrem Blick, den sie auf den Boden gesenkt hatte.
„Feli sagt, du hast sie befreit“, plauderte Mischa leichthin.
„Feli?“
„Felicitas.“ Er deutete auf das Wesen an seiner Seite.
„Ja!“, murmelte Julian, „das hab ich wohl“
„Wie hast du das gemacht? Ich hab sie schon so oft klopfen gehört und konnte gar nichts tun.“ Er wirkte traurig und es fiel Julian nicht leicht, ihm darauf zu antworten.
„Ich dachte immer, da haust etwas Grausiges, jedenfalls irgendwas, was nicht rausdarf. Ich hab gar nichts gemacht, sie waren einfach da.“
„Ja.“, meinte Mischa zögernd, „so haben sie es gesagt. Dass wir uns und sie schützen müssen, mit der Tür, weißt du.“
„Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was passiert ist. Oder warum. Eh... Felicitas?“ Der Name klang seltsam aus seinem Mund. “Woher kommt ihr denn?”
Ihre Stimme war viel rauher als zuvor, sie kam ihm auf einmal älter vor. Sie grinste ein wenig schief.
„Aus deiner Vergangenheit. Mischa konnte die Tür nicht öffnen, aber er hat uns sehr genau zugehört.“
„Und... warum konnte ich es?“
„Weißt du das nicht? Du bist der Wächter der Tür und des Kellers, du wurdest dafür geschaffen.“ Irgendetwas traf ihn am Hinterkopf und ließ ihn dumpf vibrieren. Es war eine der Wolken, die er zuletzt aus Dunst geschaffen hatte.
„Von wem?“
„Du solltest das besser nicht mich fragen.“
Julian schwieg, aber er fühlte eine Kälte in sich aufsteigen von etwas, das er nicht kannte, aber mit ihm verbunden war.
Mischa nutzte die Gelegenheit, das Schweigen zu brechen und nach den anderen zu fragen.
„Nun, Sara habt ihr gesehen oder zumindest gehört. Helen verlässt den Raum nicht, und ich lasse niemanden hinein. Und Samuel wird lange Zeit brauchen, ehe er mit anderen spricht.“
„Samuel ist nett“, warf Mischa unvermittelt ein. „Ich hab schon mal mit ihm geredet, wenn niemand von uns unten war.“
„Ich weiß“, sie warf ihm ein schwaches Lächeln zu, „Ich war froh, dass er sich mit dir verstand. Ihr habt jedes Mal mehr geredet als ich mit ihm in einer Woche“
„Da hast du ja die ganze Zeit zugehört. Das find ich fies.“
„Ja“, gab sie grinsend zu, „das ist es.“
„Weißt du dann auch, was er ist?“ So wie die Frage klang, wusste Mischa es nicht, ging aber nicht von menschlicher Natur aus.
„Er ist ein Gestaltwandler, sagt er, aber er lässt mich nicht in seine Welt. Er erzählt nur manchmal davon.“
„Seine Welt? Ich dachte, dies hier ist die Innenwelt?“, fragte Julian.
„Du bist ein aufmerksamer Zuhörer, aber du musst noch viel lernen. Es gibt noch viele Welten, die du nicht kennst.“
Felicitas trank den letzten Schluck Tee und verabschiedete sich höflich, als träfen sie sich öfters. Dann ging sie zurück und zog sorgsam die Tür hinter sich zu. Ein gesplittertes Brett löste sich und fiel zu Boden, aber es gab keinen Einblick frei.
„Schade dass sie immer so schnell geht“ sagte Mischa leise und stand auf. Julian war das nur recht, er hatte für heute genug zu verdauen. Dass er oben niemandem mehr begegnete, erleichterte ihn, und in seiner Welt angekommen warf er sich sofort auf ein Bett aus Moos und Stroh, das inmitten einer Wiese aufgehäuft war. Die Luft war heute ungewöhnlich warm und trocken, er begann sich fiebrig zu fühlen, bevor er in einen unruhigen, aber befreienden Schlaf fiel.

Am nächsten Morgen war ihm, als wäre all das nicht passiert, und auf seinem Gang durch das Haus traf er niemanden, den er danach hätte fragen können. Nur als er den Keller betrat, war ihm ein wenig beklommen, einmal ganz abgesehen von der Angst und der Kälte, die als ein dunkler, weicher Schleier den Boden bedeckte. Die Tür war verschlossen, er war zu unsicher und müde, um daran zu klopfen. Er nahm den Hinterausgang und verließ ihre Welt, um die andere zu betreten. Es waren wohl schon Tage vergangen, die Zeit draußen vergeht oft anders, er begriff nicht immer wie. Es war nachmittags und er glaubte noch einen sanften Nachgeschmack Saskias Anwesenheit zu fühlen und vermutete, dass er sie abgelöst hatte. Heute sprach sie nicht mehr mit ihm. Er zündete sich eine Zigarette an und seufzte. Das Zimmer, in dem er saß, war unaufgeräumt und stickig. Er öffnete das Fenster und roch den Herbst, der dort wartete. Bald würde es wieder kälter werden. Er mochte diese Jahreszeit, konnte sich aber nicht an die Nervosität gewöhnen, die so viele Leute an den Tag legten. Menschen wurden missmutig, gereizt, manche wirkten bedrückt. Er genoss es, dass sein Fenster zum Hof ging und er vom Leben nicht viel mitbekommen musste. Alltagsmenschen. Er beobachtete sie manchmal, aber sie gaben ihm nichts, was ihm gefallen hätte-

Die nächsten Tage blieben die Schattenkinder unter sich und ließen niemanden herein. Julian kam nur ein paar mal herunter, wurde aber höflich zurückgeschickt. Von Mischa erfuhr er, daß sie sich berieten und versuchten, Entscheidungen zu treffen. Worüber, wusste er nicht, aber er hoffte, es schon bald selbst zu erfahren. Er ging jetzt wieder öfter nach draußen, es lief nicht mehr alles, wie es sollte, und die Nataschas benötigten wieder Unterstützung. Saskia machte sich Sorgen und weigerte sich, arbeiten zu gehen. Nur widerwillig ließ sie sich dazu bewegen, die Maschinerie, in der sie sich bewegten, zu ölen und die Abläufe nicht zu zerstören.) Sie und Farec kannten die Mechanismen wohl am Besten. Der hatte sich in dieser Zeit in Schweigen gehüllt und auch seine offene, freundliche Art vermissten sie jetzt häufiger. Als er ihm zufällig im Flur begegnete, nutzte Julian die Gelegenheit, ihm eine Frage zu stellen, die ihn schon längere Zeit beschäftigte.
„Wie alt bist du eigentlich?“
Farec sog an seiner Zigarette, was er in der Gegenwart der anderen sonst nur selten tat.
„Neunzehn“ sagte er knapp, aber nicht unhöflich.
„Ja, das sagst du immer. Aber ich mein nicht, wie alt du bist, sondern wie lange du existierst.“
„Du kannst ja mal rechnen.“
„???“
„Ich bin hierher gekommen, als der Körper drei war, aber es war mir zu unbequem und so ging ich weiter. Seit Mischa da war, bin ich öfter hier gewesen und hier eingezogen bin ich erst vor vier Jahren. Oder fünf. Was auch immer“
„Du... du bist ein Reisender?“
Farec nickte, und ein Schmunzeln war in seinem Gesicht zu sehen. Julian sagte jetzt lange Zeit nichts mehr und man konnte zusehen, wie sein Kopf versuchte, all das zu verarbeiten. Als er wieder zu sprechen begann, bereitete es ihm Mühe, die Worte aneinander zu reihen.
„Bist du seitdem wieder gereist?“ Nun hockte sich Farec zu ihm und schaute ihm direkt in die Augen.
„Wer weiß, ob ich wieder zurückfinden würde. Es ist nicht so einfach, wie du vielleicht denkst. Eine Seele ist zwar in der Lage, ihren Wohnort zu verlassen, und sie tut es auch, spätestens mit dem Tod. Aber vieles ist anders, du lässt fast alles hinter dir. Erinnerungen hast du fast keine mehr.“
„Was... was ist denn dann eine Seele?“ Farec lächelte still und Julian wusste nicht, wann er diesen Blick das letzte Mal gesehen hatte. Er fühlte sich auf einmal sehr wehmütig und klein. Und während sein Bauch begann, sich warm anzufühlen, verschwammen seine Blicke, so dass er den Kopf senkte und Farecs Hand ergriff, der ihn lange Zeit still und lächelnd hielt.

Vor ihm lag ein breiter Pfad, der sich durch das Land schlängelte. Obwohl er bis zum Horizont blicken konnte, war es nur sehr klein und er kannte jeden einzelnen Stein. Ein trüber Himmel analysierte, wie dicht der Nebel in seinem Kopf war: trotz klarer Gedanken und freier Sicht hing ein Schleier über den Dingen, der vor allem das verhüllte, was noch hinter dem Horizont liegen musste. Er war nie so weit gegangen, denn dort war die Welt zuende. Ein Wald, eine Wiese, eine Steinwüste und inmitten darin etwas, das unzweifelhaft von ehemaliger Zivilation zeugte, das er aber nicht zuordnen konnte: Asphalt, geschliffener Stein, flache Mauern, die weder ein Labyrinth noch ein Muster ergaben und doch beides waren. Eine Zeitlang hatte er oft hier gesessen und sich in der Bildhauerei versucht, doch es wurden nur abstrakte Muster, ihm fehlte es an Inspiration oder einem passenden Modell. Es gab hier nichts, was sich darzustellen lohnte.
Wie immer, wenn er seine Welt betrat, blinzelte Julian ein paar Mal und sog die Luft ein, die ihm so viel über sich selbst verriet, ohne dass er sagen konnte, was. Ihm war klar, dass sich diese Welt mit ihm veränderte und ihm nur erleichterte, über sich selbst zu lernen, aber selten verspürte er die Lust dazu. Zudem verstand er es nicht, sie zu deuten. Manchmal, wenn er einsam war, fragte er sich, ob es den anderen genauso ging, denn er hatte ihre Welten nie betreten. Stand eine Tür offen, sah er nur weißgraue, spärlich eingerichtete Räume, auch wenn sie ihm sagten, dass diese Welten für sie ganz anders aussahen. Er wusste nicht viel über sie. Er wusste genau genommen gar nichts. Unterhielt er sich überhaupt mit ihnen? Wie lange kannte er sie schon? Und was war davor? Julian wusste es nicht, aber er wusste auch, dass es nicht lohnte, darüber nachzudenken, solange sein Leben für ihn funktionierte und nichts Unvorgesehenes geschah. Dann erst fiel ihm ein, dass überhaupt nichts mehr funktionierte und er besser lernen sollte, umzudenken.

Julian hatte das Gefühl, gerade erst geboren worden zu sein. Alles um ihn herum erlangte neue Bedeutung, es war, als hätte die Welt auf einmal Farbe erlangt, die vorher nicht da gewesen war. Julian war nicht mehr sicher, ob er vor diesem Tag überhaupt existiert hatte. Er versuchte auch, mit den anderen über dieses Gefühl zu sprechen. Farec nannte es ‚das Erwachen’ und schwieg, Saskia machte sich Sorgen und Mischa zeigte sich ratlos. Die einzige, die ihn verstand, war erstaunlicherweise Natasha.
„Ich hätte nicht gedacht, dass das anderen auch passiert.“
Sie wirkte froh, fast erleichtert und schien ihn in diesem Moment sehr zu achten.
„Und wie ist das bei dir? Was ist das, was macht das mit mir?“
„Oh. Ich weiß auch nicht. Denen da draußen sage ich jedes mal, dass jetzt ein neues Leben anfängt, weißt du. Es ist einfach ein neuer Abschnitt. Das Gefühl geht ein paar Tage und dann hast du dich eingelebt, neue Begriffe für alles gefunden, irgendwie. Mir passiert das mehrmals im Jahr und ich weiß nicht weshalb das gerade bei mir so ist und was das soll. Aber ich find’s nicht schlecht.“
„Was ist mit dem Leben davor, dem Abschnitt vorher?“
„In den ersten Tagen wird’s grauer, und dann ist es weg. Aber ich weiß immer, dass es wiederkommt, es kommt immer wieder. Irgendwann kommen dann ganz viele Erinnerungen, also richtige Erinnerungen, nicht nur Informationen, aus vergangenen Zeiten, und sogar Gefühle. Du wechselst einfach das Lebensgefühl.“
„Weißt du wieso so was passiert?“
„Bei mir ist das immer dann, wenn draußen irgendwas passiert. Neue Schule, Umzug oder was mit Menschen. Wenn neue ins Leben treten oder andere für ne Zeit verschwinden. Meistens bei Veränderungen. Kann auch zwischendurch mal so sein, aber Veränderungen sind’s immer.“
Wie ein Schlag auf den Kopf traf Julian der Gedanke an die Schattenkinder. Er musste mit ihnen reden, sofort.

Wie er erwartet hatte, ließen sie ihn nicht herein. Felicitas öffnete die Tür einen Spalt, als er darum bat.
„Ich hab dich erwartet. Lass uns zu dir gehen.“
„Zu mir? Oh... ja, klar.“
Felicitas wandte sich der Schwärze zu, nickte kurz und trat dann heraus. Ihr folgte ein schmächtiger Junge mit abweisendem Blick, er hatte etwas Weggetretenes an sich. Julian vermutete, dass es sich um Samuel handelte, und beäugte ihn mit unverhohlenem Interesse. Als Felicitas die Tür hinter ihm zuzog, begab er sich die Treppe hinauf. Dass sie ihm nur langsam folgten, bemerkte er erst oben und als er sich umblickte, bot sich ihm ein unerwartetes Bild: Von Felicitas gestützt, wagte Samuel nur dann und wann einen Schritt nach oben, seine Augen waren verkniffene Schlitze, die ihre Blicke nach links und rechts zucken ließen. Seine Füße tasteten sich unsicher vorwärts, und seine Haltung krümmte sich, wenn Felicitas ihren Griff um seine Arme lockerte. Mit einer Hand klammerte er sich ans Geländer, während sie ein Stück hinter ihm ging, die Arme an den seinen. Julian beobachtete sie mit einem taktvollen Schweigen, und ging erst weiter, als sie bereits neben ihm standen. Den Weg durch den Flur nahmen sie bereits souveräner. Als sie an Farecs Tür vorbeigingen, sah Julian, dass sie offen stand und Farec, der es genoss, stiller Beobachter zu sein, stand so unauffällig darin, dass er mit dem Rahmen zu verschmelzen schien. Julian lächelte ihm zu, die anderen hatten ihn nicht gesehen. Er nannte es das ‚Hausfrauensyndrom’, frei nach der Ansicht, die beste Hausfrau sei diejenige, deren Arbeit und Existenz unsichtbar war.

Als die drei Julians Welt betraten, verklärte sich Samuels Blick, seine Augen schienen Farbe zu bekommen und sie zuckten nicht mehr. Julians Verdacht, der Junge könnte blind sein, verflog. Samuel schien sich wohl zu fühlen, obwohl er zitterte. Julian gab ihm seinen Mantel. Dann machten sie sich auf den Weg zu den Steinen, ihm schien das ein geeigneter Ort zu sein. So wie bisher sprachen sie kein Wort zueinander.
Angekommen, ließen sie sich im Schneidersitz auf dem Boden nieder, obwohl Julian einen Platz auf den Steinen bevorzugt hätte. Er wollte nicht überheblich wirken.
„Ja, also. Nun.“, war alles, was er herausbrachte.
„Ich glaube“, begann Felicitas, „wir sind euch eine Erklärung schuldig. Jedenfalls haben wir uns nicht einmal richtig vorgestellt und ihr habt euch vielleicht gewundert, wer wir sind und weswegen wir nicht noch mal herausgekommen sind. Zumindest du hast dir sicher einige Fragen gestellt“ Julian nickte nervös.
„Ich wende das Wort an dich, und ich denke, du weißt warum.“
Julian schwieg. Vielleicht sollte er es ja wissen und konnte es nur nicht fühlen. Die Erinnerung an sein erstes Gespräch mit ihr war hinter einem großen Vorhang verschwunden, aber ihm war klar, dass es etwas mit dieser Frage zu tun hatte.
„Ich würde lieber zu euch allen sprechen, aber ich glaube nicht, dass ich das kann. Es ist besser, wenn du das, was ich jetzt sage, weitergibst. Mein Name ist Felicitas, wie du sicher weißt, und Samuel an meiner Seite wie auch die beiden Mädchen leben unter meiner Obhut. Es war nicht meine Entscheidung, aber es ist meine Aufgabe, so wie es deine war, uns zu behüten“
Sie legte eine Pause ein. Von fern zogen Wolken auf, dichte, weiße, schwere Wolken.
„An seine Geburt erinnert sich kaum einer und an die Zeit davor erst recht nicht. Ich bin da keine Ausnahme und kann so nur spekulieren. Ich habe die Jahre nicht gezählt, aber es waren viele, vor denen wir in den Keller kamen. Wir haben nicht immer da gelebt, weißt du. Die Erinnerungen sind dunkel, aber meine dürften wohl am zahlreichsten sein. Als wir noch draußen lebten, waren wir noch nicht so viel zusammen und wussten kaum voneinander. Auch waren wir oft in der Welt, die unsere umgibt. Das Leben da, wo nur einer sein darf und...“
„Ich weiß schon. Ich kenne es.“, unterbrach Julian sie, als er merkte, dass es ihr schwer fiel, die andere Welt zu beschreiben.
„Wir haben dort Dinge gesehen... ich weiß, dass es dort Menschen gab, und man musste essen und so... es war schwer zu leben und anstrengend, alles war so fest und stabil und geregelt. So auch die Menschen. Sie... sie sind so ganz anders als wir aber wir mussten versuchen, so zu sein wie sie. Wir hatten Angst und sie haben uns weh getan... vor allem Helen, wenn sie geweint hat, und sie haben komische Sachen gemacht. Einen Körper zu haben heißt da was ganz anderes als hier, man kann sich wehtun und der braucht immer irgendwas, wie jemand, dem man zuhören und auf dessen Bedürfnisse man eingehen muss. Der Körper ist so etwas wie ein Lebewesen, nur eben... körperlich eben. Ich habe das Innen immer vorgezogen, aber wenigstens konnten wir uns abwechseln und gegenseitig helfen. Manchmal war ich mit Samuel gemeinsam dort, er hat dort das Schweigen gelernt. Irgendwann haben sich die Menschen verändert, wir waren seltener dort, wurden nicht mehr gerufen... ich glaube, sie haben uns nicht mehr gebraucht, die anderen hier. Sara ging es damals sehr schlecht und sie hat nur geweint. Ich wollte ihr helfen, sie brauchte so viel Wärme. Auf einmal haben sie uns eingesperrt, jedenfalls denke ich, dass sie es alle wollten. Er hat dann die Tür versperrt, hinter uns und ab dann wurde es dunkel.“

„Wer, er?“ Julian war sehr angespannt, er wusste sehr wohl, dass draußen Dinge geschahen, die in ihrer friedlichen Welt absurd erschienen. Er begrüßte den Gedanken, die Kinder davon fernzuhalten, verurteilte aber die Umsetzung, obwohl er wusste, dass auch er an die Notwendigkeit geglaubt und die vier lange Zeit gefangengehalten hatte.
„Farec war sein Name. Er lebt heute noch unter euch.“
Julian saß stumm und perplex an seinem Platz. Der Wind pfiff kühl um ihre Köpfe, es war Donner zu hören, und mit einem mal begriff er, dass er zornig war. Felicitas schien das nicht zu bemerken, sie hatte den Kopf gesenkt und fuhr bereits wieder fort.
„Wir hatte zu Anfang sehr viel Angst, aber mir war klar, dass wir das nur aushalten, wenn ich mich beherrsche. Ich habe angefangen, Märchen zu erzählen und für sie zu singen. Aber es war eine harte Zeit und obwohl wir immer wieder gehofft haben zu entkommen, hat es nie geklappt. Einmal hätten wir es fast geschafft, aber dann kamen die Ketten und mit einem mal warst du da. Farec kam immer mal wieder und redete uns gut zu, aber Helen hat ihn angeschrieen. Sie hasst ihn noch heute. Hätte ich sie nicht zurückgehalten, hätte sie sich wohl auf ihn gestürzt, als er gestern unten war."
"Und du?"
"Ich habe gedacht, ich muss ihm eine Chance geben. Er war nicht wirklich böse zu uns, auch wenn ich glaube, dass er nicht begreift, was er uns angetan hat. Er nimmt das alles so... 'ja, ich weiß' - und nichts weiter. Ich will kein Mitleid, aber ich fühle mich dann nicht ernst genommen. Aber ich habe schon verstanden, warum er das gemacht hat. Ich weiß nicht einmal, ob es seine Entscheidung war. Wir waren kaputt und traurig durch alles, was geschehen ist. Wären wir nicht isoliert worden, wären jetzt vielleicht alle tot oder kämen nicht klar. Unsere Probleme mussten warten, bis ihr uns verstehen könnt.“
„Und das war jetzt?“
„Ich gehe jedenfalls davon aus. Farec sagte, wir werden es schaffen, wenn du anfängst zu zweifeln. Er meinte, du wirst es schon richtig machen.“
Julian fragte sich, wieso Farec ihm vertraute in einer Sache, von der er nichts wusste. Dann fiel ihm ein, weswegen er eigentlich hier war.
„In den letzten Tagen fühle ich mich irgendwie komisch. Als ob ich irgendwie klarer sehe, einen Sinn dazugekriegt hätte oder so. Ich weiß kaum noch, wie es davor war, ich habe sehr viele neue Gedanken. Natascha meint, das kommt von Veränderungen und ist so etwas wie ein neuer Lebensabschnitt. Ich bin sicher, dass es mit euch zusammenhängt, aber ich weiß nicht, wie ich es beschreiben kann...“
„Lass mich raten,“, sagte Felicitas sarkastisch, „es ist, als wäre eine Tür in deinem Kopf aufgegangen.“
Julian erstarrte und sagte vorerst nichts mehr. Er wartete darauf, dass ihm Felicitas sein Leben erklärte, da sie es besser zu kennen schien als er selbst, vor allem sah sie Hintergründe und verstand Dinge, von denen er keine Ahnung hatte.
Nach einer Pause hob sie den Kopf und lächelte ihn an. Ihm fiel auf, dass sie haselnussbraune Augen hatte, deren schwarzer Rand sich deutlich abhob, und dass sie mittlerweile gesünder aussah als noch vor ein paar Tagen.
„Wie gut kennst du die anderen?“ Er stockte und wandte den Blick ab. Er brauchte eine Weile, um auf die unerwartete Frage zu antworten.
„Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht.“
„Das wundert mich nicht. Du glaubst, du würdest sie schon ewig kennen, dabei warst du bislang nie wirklich lebendig. Du bist ein Konstrukt.“ Ihm missfiel das Wort gewaltig, getraute sich aber nicht es zu sagen.
„Ich weiß, dass das hart klingt, aber ich will ehrlich zu dir sein. Wir verdanken dir viel.“
„Das heißt, mich gibt es nicht? Ich denke gar nicht? Das kann doch nicht dein Ernst sein.“
„Das habe ich nicht gesagt, natürlich denkst du, und wenn es dich nicht gäbe, könnte ich nicht mit dir reden. Aber bislang hattest du kein eigenes Bewusstsein, keine Seele, weißt du. Dein Geist und so ist eine Maschine, im Prinzip, du bist nicht richtig entstanden, sondern geschaffen worden. Das hatte ich dir doch gesagt. Du wurdest gerade erst geboren, und mit der Maschinerie, die du bist, musst du halt erst lernen umzugehen. Das ist doch nicht schlimm“
„Aber ich bin doch lebendig“, flüsterte Julian bestürzt, und es begann zu regnen.
„Jetzt ja.“, lächelte Felicitas und warf ihm einen tröstenden Blick zu.
„Hab ich denn jetzt auch eine Seele?“
„Das weiß ich nicht. Ich kann so was nicht sehen.“
„Ich muss nachdenken.“, murmelte Julian.
„Oh. Ja. Schon klar. Eigentlich wollte Samuel dich auch mal kennen lernen. Ich dachte nicht, dass du das so schwer nimmst.“ Sie erhob sich und half Samuel auf. Julian schaute ihn nun auch endlich wieder an, er war abgerückt und hatte den Kopf umgewand.
„Na, ja. Den Weg finden wir schon alleine. Du kannst dann ja wiederkommen, wenn alles klar ist.“ Er nickte, und als sie fast aus seinem Blickfeld verschwunden waren, winkte er ihnen nach. Der Regen war zu einem Nieseln übergegangen und er ging in den Wald, ein Feuer zu machen, um sich zu trocknen. Unter den Bäumen fand er noch trockenes Holz und Laub, und am prasselnden Feuer rollte er sich schließlich zusammen und schlief ein.

„Was fällt dir eigentlich ein? Hast du keinen einzigen Funken Anstand mehr? Was sollte das?“, begrüßte Julian Farec, nachdem er dessen Tür hinter sich zugezogen hatte. Er brodelte regelrecht und verspürte nicht im Geringsten Lust, sich wieder zu beruhigen. Nachdem er ausgeschlafen hatte, blieben ihm viele verwirrende Gedanken des letzten Gesprächs, vor allem aber zwei klare Feststellungen. Zum einen hatten die Schattenkinder in den vergangenen Jahren im Keller und auch davor furchtbar gelitten. Zum anderen war Farec schuld daran.
„Nun mal langsam“, sagte Farec verwirrt. „Was hab ich denn nun verbrochen?“
„Warum hast du sie weggesperrt? Sie hatten dir doch nichts getan.“
In Farecs Kopf begann es fieberhaft zu arbeiten und er benötigte ein paar Sekunden, um die Zusammenhänge zu ordnen.
„Ach, so. Das.“ Julian funkelte ihn verärgert an. „Das war nicht meine alleinige Entscheidung, und das weißt du. Außerdem haben sie mir durchaus leid getan, auch wenn du das jetzt vielleicht nicht glauben möchtest. Sieh mal, wir sind eine Vielfalt, die eine Einheit bildet, und dazu muss das eine nahtlos ins andere passen. Selbst wenn wir sie rausgelassen hätten, sie vertrugen sich einfach nicht mit dem da draußen und hätten Veränderungen kaum gebilligt. Und sie haben unsere gesamte Sicherheit gefährdet.“
„Ja, klar, und da müssen sie natürlich entfernt werden. Unsere Sicherheit gefährdet, pah. Findest du nicht auch, dass das ganz schön feige klingt?“
„Ja, ungefähr so feige, wie bei jedem Klopfen noch eine Kette davor zu hängen“
Nun brach Julian in sich zusammen, er konnte niemandem lange böse sein, das wusste er, außerdem war er in dieser Hinsicht noch viel zu wütend auf sich selbst, um Farec damit wehtun zu können. Er hockte auf seinen Knien, den Kopf trotzig zu Boden gesenkt und sprach leise und bitter.
„Dass du feige warst heißt doch nur, dass du Angst hattest. Was hätten sie dir denn tun sollen?“
„Ich war weniger ängstlich als besorgt.“ Farec sah etwas betreten aus. „Du musst wissen, dass die vier eine Menge Schmerzen mit sich herumtrugen, mit denen sie nicht fertig werden konnten. Sie hätten allen nur wehgetan. Es gab damals niemanden, der ihnen hätte helfen können.“
„Und du?“
„Ich habe es dir bereits gesagt, ich war mehr auf der Durchreise. Es war eigentlich nicht mal meine Angelegenheit, aber ich hielt es nun mal für richtig.“
Julians Wut war schon wieder zu großen Teilen verraucht, als er fragte: „Hast du es je bereut?“ Farec trat von einem Fuß auf den anderen und fühlte sich sichtlich unwohl.
„Ja, sogar viele Jahre. Und das hat schließlich dazu geführt, dass ich einen noch größeren Fehler beging...“
„Ach ja?“, murmelte Julian misstrauisch.
„Hast du dich nie gefragt, warum es zwei Nataschas gibt, die zudem beide nicht wissen, was sie überhaupt wollen?“
Julian sah ihn erstaunt an und Farec, der es nun nicht mehr aushielt, ließ sich im Schneidersitz auf dem grauen Boden nieder.
„Ich habe nicht vor, es dir zu erzählen, dass das klar ist. Aber damals habe ich – aus Reue – auf derartig präventive Maßnahmen verzichtet.“ Seine Stimme wurde wieder fester. „Heute ist mir klar, dass das der größere Fehler war.“
Julian sah ihn durchdringend an und nickte langsam. Er verstand zwar nicht ganz, fühlte aber, dass er langsam wieder begann, Farec zu vertrauen. Und dann war da noch der Gedanke, den Farec vorhin geäußert hatte. Er war ja selber nicht besser. Irgendwo waren seine Beweggründe zwar noch anders, denn er war ja nur... nein, darüber wollte er gar nicht nachdenken, nicht jetzt, nicht hier. Stattdessen wandte er sich erneut an Farec.
„Und was sollten wir jetzt tun?“
„Vor allem müsst ihr ihnen jetzt helfen, ein neues Leben zu beginnen. Das ist schmerzhaft, aber wir sind es ihnen schuldig.“
„Und du?“
Farec lächelte traurig.
„Ich bin dabei der Böse. Alle wussten, dass etwas passieren muss, was ihnen nicht gefällt, aber ich, der herzlose, gemeine Farec, habe es letztendlich getan. Sie werden sich kaum von mir helfen lassen. Sie brauchen jemanden, dem sie die Schuld geben können.“
„Aber musste es unbedingt der Keller sein?“
„Den haben sie sich selbst geschaffen. Er passte so gut zu dem, was sie von ihm hielten. Meinst du, ich hätte damals nur eine Tür zugeschlagen und den Schlüssel umgedreht? Das Haus wurde doch erst später gebaut, quasi über, auf ihnen. Zum einen, um alles ein wenig übersichtlicher zu machen, zum anderen, um sie erst einmal hinter, besser, unter sich zu lassen.“
„Ich dachte, das war schon immer da...“, meinte Julian verdrossen und ihm fiel erst jetzt auf, wie lächerlich dieser Gedanke war. Farec lachte ihm direkt ins Gesicht, aber es war ein freundliches, wärmendes Lachen. Dann legte er ihm eine Hand auf die Schulter.
„Bist du mir noch böse?“ Julian antwortete nicht.
„Komm schon, alter Junge.“, knuffte Farec ihn kameradschaftlich.
„Was meinst du, schauen wir noch mal nach draußen?“
Er zog Julian aufmunternd hoch und spazierte mit ihm auf den Flur.
„Bist du oder bist du nicht?“, hakte er noch einmal nach.
„Kennst mich doch“, murmelte Julian zerknirscht.
„Allerdings!“
Und Julian sah erneut etwas in seinen Augen aufblitzen, wie ein Schatten, der zu ihm sprach, ohne dass er etwas verstand.


Gemeinsam schritten sie den Flur entlang und Julian stellte überrascht fest, dass er sich wie ein Kind zu freuen begann, was auch immer ihn draußen erwarten mochte. Farec hielt ihm die große Doppeltür auf, und Julian schlüpfte hindurch. Als er ein paar Mal blinzelte, stellte er fest, dass er im Bett saß, die Beine angewinkelt und in eine Decke gewickelt. Auf seinen Beinen ruhte ein großes Buch, welches, konnte er nicht erkennen, und darauf eine ganze Menge loser Zettel. Ehe er noch lesen konnte, was darauf stand, wurde er unsanft in den Hintergrund gedrängt und war nunmehr ein Hauch, der sich über diesen Körper legte und ihn beobachtete. Zugleich spürte er auch, dass er weder der einzige Zuschauer war, noch dass es Farec war, der nun die Kontrolle innehatte.
„Herzlich willkommen!“, kicherte eine ihm wohlbekannte Stimme irgendwo neben ihm.
„Wurdest du auch gerufen?“
„Gerufen?“, erwiderte er erstaunt, „Wozu denn?“
„Gruppensitzung“, erklärte Saskia Julian, der immer noch nicht verstand.
„Ach, warte einfach ab.“
Die Hand hatte unterdessen zu schreiben begonnen und er betrachtete das Wort, das auch Saskia ihm genannt hatte, in der Überschrift.

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Gruppensitzung Nr. 5

Protokoll: Hera
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„Wer ist Hera?“, fragte Julian verwirrt.
„Ach, du kennst sie nicht? Unsere Ordnungsfanatikerin.“ Wieder dieses Kichern.
„Sie ist die einzige, die innen ein Büro hat und liebt Akten, Protokolle und so was. Mit ihr reden kann man eigentlich nur, wenn sie mal wieder was getrunken hat.“
Julian schwieg. Was ging hier vor sich? Er konzentrierte sich angestrengt, um die Anwesenden spüren zu können, fand aber nur Farec, der sich abwartend im Hintergrund hielt, und zwei andere, die er nicht kannte. Hera schrieb indessen unverdrossen weiter.

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1. Punkt der Tagesordnung: Tagesordnungspunkte

Hera: Sorry, das wollt’ ich eigentlich vorher machen. Was fällt euch denn so ein?
Ich: Wo ist denn erst mal Falya?
Hera: Ist der so unverzichtbar?
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Julian bemerkte einen hintergründigen Tonfall in diesem Satz, gleichzeitig bemerkte er eine Stimme, die wohl der Person gehörte, die sich ich nannte, und lautstark nach Falya rief. Julian überlegt verwirrt, warum sie ihre Stimme nicht nach innen richtete, aber kurz darauf stieß tatsächlich jemand, der sehr freundlich wirkte und ein wenig müde, zu ihnen.

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Falya: *muffelmuffel*
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„Musst du unbedingt alles aufschreiben?“ fragte Falya und Julian konnte ihn kurze Zeit vor sich sehen, ein warmes, dunkles Gesicht mit großen Lippen und dicken, braunen Haaren.

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Ich: Aaauuuuufsteeeeehn!
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Sie schienen ihre Konversation ausschließlich gedanklich und auf dem Papier vorzunehmen, und Julian war verwundert, warum das so umständlich vor sich gehen musste, aber er traute sich nicht zu fragen.

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Falya: Heyheyhey, nu mach mal halblang, DU hast den Kaffee heut gesoffen, DU bist wach.
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Julian machte sich nicht die Mühe, ihre Anwesenheiten und Gedanken aufzunehmen, er schaute jetzt nur auf das Papier, und auch Saskia nahm er nicht mehr wahr.

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Ich: Ja, darum hab ich ja auch Bauchschmerzen.
Falya: Warum hast du mich gerufen?
Ich: Weiß nicht. Hast du Gruppensitzungstagesordnungspunktvorschläge?
Falya: Ja, das Verbot von Wortmonstern.
Ich: Apropos: Ich hab wieder Alpträume. Kann nicht jemand anders für mich schlafen?
Falya: Klingt vernünftig, das müsste sich noch einrichten lassen.
Ich: Und wer?
Hera: Ich schlafe nicht, außerdem geh ich ab und zu zur Arbeit.
Ich: Na und, ich beinahe täglich!
Hera: Wenn du nicht gerade woandershin gehst. Ich bin dafür, die Arbeit und vor allem die Nichtarbeit, sprich Schwänzen, als Punkt zu vermerken.
Mischa: Was ist mit den Kindern aus dem Keller?
Falya: Welcher Keller?
Hera: Schwänzen die denn?
Mischa: Hört auf.
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Julian verließ seinen Beobachtungsposten, um nach Mischa zu sehen, und fand ihn schließlich sehr schwach, nur als leise, kaum spürbare Anwesenheit, bei Falya, dem er offenbar gerade erklärte, wer die Schattenkinder waren. Hera übernahm dieses Gespräch nicht ins Protokoll, offenbar schrieb sie nur auf, was ihr direkt vermittelt wurde.

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Hera: Schon gut, ist vermerkt. Wo sind eigentlich die Jungs? Zu viert fang ich hier nicht an mir die Finger wundzuschreiben.
Farec: Ich bin auch schon da, sollte ich gerade angesprochen worden sein. Und ich hab dir jemanden mitgebracht.
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Jetzt hörte Julian auch Farecs Stimme.
„Julian? Magst du dich auch ein wenig einbringen?
„Wie macht ihr das? Und vor allem, warum unbedingt auf dem Papier? Und hier vorne, warum treffen sich nicht mal alle innen, wenn das schon so nötig ist?
„Einige können gar nicht nach innen, und das ich da draußen gibt es nicht mal, wenn jemand anders da ist. Und damit alle, die das hier verpassen, später nachlesen können, was besprochen wurde. Na los, sag einfach was.“
„Hab ich doch grad, das steht trotzdem nicht da.“
„Du musst entweder direkt mit Hera sprechen oder nach ganz vorne, außen.“
„Ach so.“
Julian räusperte sich kurz und versuchte dann ein vages ‚Hallo’. Gleichzeitig bemerkte er, dass die Stimmbänder einen undefinierbaren Laut von sich gegeben hatten und sich der Stift erneut bewegte. Beim Blick auf das Papier registrierte er, dass die Diskussion bereit erheblich vorangeschritten war, fand aber nicht die Zeit, das Geschriebene nachzulesen.

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Hera: Okay... wer auch immer du bist, du musst deutlicher sprechen.
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Julian hörte eine fremde Stimme schreien.

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Scipio: NICHT, DASS ICH-
Hera: Du warst nicht gemeint.
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Julian hatte Hera endlich ausfindig gemacht, sie hatte zwar die Körperkontrolle inne, bewegte jedoch nur die Hand. Das Gesicht hatte einen stechend konzentrierten Blick und wirkte sehr angespannt . Alles, was er von ihr wahrnahm, war komplette Aufmerksamkeit, ein kühler, strenger Ausdruck und ein pflichtbewusster Schreibzwang. Er fragte sich, wie sie überhaupt gleichzeitig mitdenken und aufschreiben konnte.
„Tut mir leid, ich bin es nicht gewöhnt, hier vorne zu reden“

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Julian: Tut mir leid, ich bin es nicht gewöhnt, hier vorne zu reden.
Hera: Jetzt geht’s doch. Darf man fragen wie du heißt und weswegen ich dich nicht kenne?
Falya: Du musst wissen, dass Hera hier als Einwohnermeldeamt fungiert und ihre Pflichten sehr ernst nimmt.
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Julian konnte diesmal das Geschriebene auch hören und gewöhnte sich langsam an den Andrang, den viele Menschen im Vordergrund auslösten. Ihm fiel auf, dass Heras Stimme keineswegs kühl oder streng klang, vielmehr ehrlich interessiert, freundlich, herzlich. Zugleich nahm er die Distanz wahr, die zu ihr Bestand, sie schien ihre eigenen Gedanken sicher hinter einer kalten Schale verstaut zu haben, die nur durch das, was sie sagte und schrieb unterbrochen war.
„Ich bin Julian und kenne dich ebenfalls nicht.“

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Julian: Ich bin Julian und kenne dich ebenfalls nicht.
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Hera hatte statt seines Namens vor seiner ersten Äußerung ein Fragezeichen geschrieben und ersetzte es jetzt.

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Farec: Er gehört erst seit ein paar Tagen zu uns.
Falya: Muss ja ne schwere Geburt gewesen sein, klein wirkst du nicht auf mich.
Saskia: Hör schon auf, ich bin auch erst fünf, schon vergessen?
Farec: Lange Inkubationszeit eben.
Julian: Ich bin schon älter, schon... genau weiß ich’s nicht. Auf jeden Fall gehöre ich schon lange dazu.
Saskia: Du musst das differenzierter sehen, Julian. Ich erklär’s dir von mir aus später.
Scipio: Ich jedenfalls kenne ihn auch noch nicht und vielleicht könnte Farec uns das mal genauer erklären.
Farec: Das sollten wir vielleicht gesondert tun, nicht wahr?
Hera: Schon klar, ist vorgemerkt. Aber nicht, dass du wegläufst, Julian.
Julian: Nein, nein.
Ich: Was ist eigentlich mit der Abstimmung?
Hera: Ja, genau, die muss natürlich fertig werden. Ich glaube, mit den bisherigen Punkten haben wir für heute genug zu tun.
Falya: Dann lass uns doch anfangen.

2. Punkt der Tagesordnung: Schlaf

Hera: Wir wollen natürlich ausgeruht und fröhlich, frisch und frei in den Tag springen, und ein gesunder Schlaf ist dafür unerlässlich. Ich- du bist ein anderes ich, oder?
Ich: Stimmt.
Hera: Ich jedenfalls erzählte von Alpträumen und bat abgelöst zu werden. Wer schläft denn sonst noch gerne?
Natascha XII: Ich liebe schlafen.
---

Julian registrierte, dass die römische Zahl hinter ihrem Namen wohl für ihr Alter stand und schloss, dass zumindest die Nataschas hier noch jeder kannte.

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Hera: Wenn du schläfst, muss jemand anders aufwachen und das ist schon mal gründlich schiefgegangen. Und was, wenn du wieder stundenlang wachliegst?
Natascha XII: Dann frag doch Scipio!
Scip: Ich übernehme gerne.
Falya: Können wir uns das denn leisten?
Hera: Wieso? Scip schläft prima und wacht auch vergleichsweise gut auf.
Saskia: Falya vermutet sicherlich richtig, dass Scip nur aufgrund gewisser grüner Pflanzen so gut schläft, und das wäre auf Dauer zu teuer.
Hera: Scip? Verschweigst du da was?
Scip: Aber doch nur ab und zu! Ich kann ja wohl auch ohne!
Hera: Wir können es ja mal probieren.
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Julian merkte, dass sein Interesse an dieser Art zu diskutieren schwand, da es viel langsamer war als zu sprechen. Er zog sich zurück, blieb aber in Farecs Nähe, um nichts Wichtiges zu verpassen, außerdem wollten sie ja extra für ihn einen eigenen Punkt einräumen. Ihm kam das vor wie auf einer großen Versammlung von irgendwelchen Bürokraten und musste grinsend an Saskias Kommentar zu Hera denken, den sie zu Anfang geäußert hatte. Außerdem – es kam ihm selbst seltsam vor – hatte er tatsächlich Lampenfieber, vor so vielen Leuten zu sprechen, es war so unpersönlich und seltsam.

Farec rüttelte ihn unsanft, und er erkannte, dass er direkt vor der großen Tür lag, zusammengerollt wie eine kleine Katze.
„Ich dachte schon, du hättest dich aus dem Staub gemacht“, lachte Farec ihn an, und Julian war sehr verwirrt. Alles, an was er sich erinnern konnte, war, dass er Farecs schützende Gegenwart gesucht hatte. Dann musste er eingenickt, und – er warf einen erneuten Seitenblick auf seine Umgebung – wieder nach innen gedriftet sein.
„Na los, komm schon. Sie warten auf dich.“
Widerwillig erhob sich Julian und stolperte nervös nach draußen, zu all den Menschen, die er nicht kannte und die augenscheinlich nicht richtig sprechen konnten. Der Übergang in die andere Welt war irritierend, er war weder richtig dort noch richtig anderswo, er war so wenig, nur ein Schatten wie all die anderen, ein Beobachter, der an Hera nicht vorbeikam und Schwierigkeiten hatte, alles im Blick zu behalten. Farec führte ihn jedoch gleich durch den Körper und Heras Bewusstsein, sie schienen direkt hinter Heras Stirn zu sein, und Julian bemerkte, dass ihm der Überblick leichter fiel. Er konnte die Anwesenheit der anderen spüren (ihre Zusammenstellung hatte sich erneut geändert) und zugleich den Zettelstapel im Auge behalten, er benötigte nicht einmal die Augen dazu, es war, als sei er ein Teil Heras Vorstellung geworden, ein kleiner Parasit, mit dem sie ihre Gedanken teilt. Obwohl ihre Gedanken nur aus Zuhören und Schreiben bestanden. Erst später bemerkte er, dass ihr Gemütsleben wohl hinter einer Schale saß, die ihn nicht durchließ.

---
Hera: Ah! Ist er da?
Farec: Er war nur eingeschlafen.
Hera: Dann kommen wir jetzt also zum

3. Punkt der Tagesordnung: Julian und die Kellerkinder

Hera: ... wer auch immer das alles sein mag. Die bisherigen Kommentare sind dürftig, und offenbar scheinen beide Punkte miteinander verbunden zu sein. Da ich bislang nur eine ungenügende Vorstellung habe, um was es geht, bitte ich einen der Eingeweihten, die Einleitung zu übernehmen.
[Schweigen]
Hera: Halloho!
Saskia: Nun ja... ihr kennt doch die Kellertür, oder?
Natascha XV: Hera hat sie noch nie gesehen, jedenfalls das... Dings.
---

Julian merkte, dass sie das Wort ‚Gefängnis’ nicht nutzen wollte.

---
Hera: Hab von gehört. Was ist damit?
Saskia: Sie ist aufgegangen.
Hera: So, so.
Julian: Das stimmt nicht. Ich hab sie aufgemacht.
Saskia: Hast du nicht. Sie haben sie aufgemacht.
Hera: Was denn nun? Julian, wieso denkst du, dass du sie geöffnet hast? Und wer sind ‚sie’?
Julian: Farec meinte, dass ich... nein, die Schattenkinder haben gesagt, dass das meine Aufgabe war oder so. Das ich der Hüter der Tür bin, oder so ähnlich.
Hera: Von vorne, von vorne. Wer sind die Schattenkinder?
Julian: Sie gehören zu uns, sie sind schon Ewigkeiten da drin.
Farec: Dreizehn Jahre!
Julian: Wie auch immer. Jedenfalls sind das Kinder, die da drin wohnen, und weil ich dachte, dass da was Gefährliches drin ist, hab ich halt immer dafür gesorgt, dass die Tür standhält. Nur einmal hab ich das eben nicht gemacht, ich weiß nicht, vielleicht war ich neugierig. Ich glaube, ich hatte Mitleid mit ihnen.
Hera: Und dann?
Julian: Dann haben sie die Tür aufgestoßen und sind rausgekommen. Na ja, zwei von ihnen.
Hera: Du siehst noch ganz aus, sie scheinen also nicht zu beißen.
Julian: Nein, nein. Das sind Kinder, also, älter als dreizehn ist da sicher keiner.
Hera: Worin besteht also das Problem?
Julian: Problem?
Natascha XV: Einigen machen sie halt Angst.
Saskia: Außerdem sind jetzt fünf Leute bei uns neu...
Julian: -vier-
Saskia: -Nein, fünf, ich zähl dich dazu.
Julian: Ich bin doch nicht neu!
Hera: Hier gibt es aber eine Reihe Leute, die anderer Meinung sind.
Saskia: Lass mal, das ist normal, wenn man gerade erst ein Teil des Ganzen geworden ist.
Farec: Ist er ja nicht, er war ja eigentlich nur...
Julian: Felicitas hat gesagt, ich sei nicht entstanden, sondern geschaffen worden.
Hera: So etwas gibt es draußen auch, nennt sich geboren werden.
Farec: Oh, da hast du mich falsch verstanden... nicht so geschaffen worden.
Hera: Du meinst, ein Programm? Farec!!!
Farec: So in etwa. *murmel*
Julian: Wie, ein Programm?
Hera: Hatten wir nicht abgemacht-
Farec: -keine Programme einzusetzen, ja. Die Situation hat’s aber erfordert.
Hera: Das erklärst du jetzt aber genauer.
Julian: Mir auch?
Farec: Was willst du wissen?
Julian: Was ist ein Programm?
Farec: Im Gegensatz zu Konstrukten, die im Prinzip künstliche und teilweise unvollständige, seelenlose Persönlichkeiten sind-
Natascha XV: Was hast du immer mit Seelen? Als ob die so wichtig wäre...
Deborah: Du kannst nicht leugnen, dass Seelen wichtig sind. Es macht schon einen Unterschied.
---

Julian fand die Unterhaltung ungeheuer interessant, und so fragte er privat weiter: „Wieso, was bist du denn?“
„Ein Fragment. Oder ein Soulbond, was auch immer du in mir siehst.“
Auf Julians verwirrtes Gesicht hin fügte sie hinzu: „Ich bin nicht vollständig, nur ein extrahiertes Bild... und hab eben auch keine Seele.“
„Ist das nicht schlimm?“
„Also, ich bin eher froh drüber.“
Aber ehe er noch nachfragen konnte, setzte Farec erneut zu Erklärungen an.

---
Farec: Im Gegensatz dazu sind Programme jedenfalls Konstrukte, die konditionierte Verhaltensmuster beinhalten und keine Persönlichkeitsstrukturen.
Natascha XV: Kannst du das auch einfacher erklären?
Farec: Wenn du ein Konstrukt schaffst, legst du eine Menge Gedanken und Informationen hinein, die im Prinzip die Grundlage, das Gerüst für die Person sind, die sich daraus entwickeln kann.
Natascha XV: Und das lebt?
Farec: Dazu brauchst du ein Bewusstsein, aber da unser Lebensraum ein menschlicher Geist ist, besteht daran kein Mangel. Also, ein normales Konstrukt besteht aus Informationen der Sorte ‚cholerisch’, ‚selbstbewusst’ oder ‚sensibel’, also Charakteristika. Dazu noch einiges dazu, wie du dir dein Konstrukt vorstellst, Gefühlsebenen, Vorlieben, Interessen und so weiter. In einem Programm liegen aber hauptsächlich Anweisungen, Verhaltensmuster, Reaktionen. Einem Programm fehlt der freie Wille.
Julian: Soll das etwa heißen, ich habe keinen freien Willen?
Farec: Erst seit ein paar Tagen. Seit du das erste mal hinterfragt hast.
Julian: Das hätte ich doch dann eigentlich nicht gekonnt?
Farec: Es war Teil des Programms.
Julian: Wieso?
Farec: Lass uns das mal drinnen weiterbesprechen, das geht, glaube ich, nur dich etwas an.
---

Sie zogen sich wieder zurück, und das letzte, was Julian von hier mitnahm, war Heras düstere Stimme: ‚Das hat ein Nachspiel’.

Julian war erschüttert und verwirrt. Seine Fragen wollte er Farec nicht hier stellen und er zog ihn mit in seine Welt. Ein Sturm lag über der Steinwüste und es war kalt. Julian ließ sich mitten in der weiten Ebene fallen, verschränkte Beine und Arme und bedeutete Farec, sich zu setzen. Er fror und wusste nicht, wie er beginnen sollte, aber Farec machte es ihm leicht.
„Ich glaube, ich habe dir einiges zu erklären. Deshalb ist es wichtig, dass du mir genau zuhörst und mich nur unterbrichst, wenn du Fragen hast.“
Julian gab ihm sein Einverständnis mit einem Blick.
„Ich schätze, ich bin es dir schuldig. Mir ist es nicht vergönnt, meine Herkunft zu kennen, darum wollte ich dir die deine wohl nicht verraten. Es fing alles an mit diesen Kindern, die da draußen das abbekamen, was eine andere nicht ertragen konnte oder wollte. Niemand mochte sie. Sie war arrogant. Sie wusste nichts und dachte, sie hätte Probleme, wo doch alles hier drinnen nur für ihr Wohl arbeitete, erduldete. Es macht mich heute noch wütend. Aber ich denke, wir haben ihr unrecht getan. Sie hätte uns leid tun sollen. Was sag ich, uns. Mir hätte sie leid tun müssen. Aber darum geht es nicht. Die Kinder kannten nur das, was sie der anderen abnahmen. Sie kannten kein normales Leben, keine Freundschaft, kein Vertrauen, nichts. Mittlerweile weiß ich, dass auch die andere das nicht kannte. Die Kinder schufen ihre Welt. Es gab immer diese dunklen Ecken, in denen sie hausten, ein Loch im Boden, sie gaben sich das, was sie von sich dachten. Wenn unsere Welten schön sind, heißt das ja auch, dass wir sie als angemessen für uns empfinden. Ich bin kein Etymologe, aber vielleicht kommt angemessen ja wirklich von Anmaßung.“
Er wirkte sehr verbittert. Es schien, als haben er selbst und alle, mit denen er sich umgab, auf einmal an Wert verloren. Und dann rutschte er an Julians Seite, folgte seinem Blick, der starr auf den Boden gerichtet war, und seufzte. Für eine Weile sagte er gar nichts mehr und hing stumm seinen Gedanken nach. Julian löste die Verschränkung seiner Arme, fragte sich, wie er jetzt kucken sollte, und stieß Farec vorsichtig mit dem Handrücken an. Dieser reagierte nicht.
„Red weiter.“ Erst nach einer Weile begann Farec wieder zu sprechen.
„Wenn du einem Menschen sein gesamtes Leben hindurch sagst, er sei schlecht und wertlos, und wenn dieser Mensch keinerlei gegenteiliger Meinung empfängt, wird er früher oder später auch daran glauben. Meistens früher. Er wird sich seiner puren Existenz schämen.
Das haben sie auch dann noch gemacht, als niemand mehr mit ihnen sprach, draußen. Als sie dort nicht mehr gebraucht wurden. Das war vielleicht noch das Schlimmste, sie waren nutzlos, und ihr Wesen hat allen wehgetan. Ich bin sicher, es hätte ein Unglück gegeben, so wie damals, vor vier Jahren.“
Farec sprach jetzt nur noch mit sich selbst und hielt den Kopf so weit gesenkt, dass sich Julian fragte, ob er weinte.
„Ich habe sie eingesperrt. Ich habe ihnen nichts getan, ich habe nur dafür gesorgt, dass die Wahrnehmung zwischen ihnen und den anderen unterbrochen wurde. Ich hatte einfach Angst, obwohl ich doch gar nicht dazugehörte. Ich habe immer überlegt, ob es nicht ein Fehler war, aber sie wieder freizulassen, hätte bedeutet, diesen Fehler einzugestehen. Verstehst du?“
„Es... tut mir leid, so habe ich das nie betrachtet... wann komme ich da ins Spiel?“
Julian wollte ablenken, aber er hatte die falsche Richtung gewählt.
„Ursprünglich habe ich daran gedacht, sie nie wieder freizulassen, aber dann habe ich gedacht, in Ordnung, in drei Jahren ist vielleicht alles besser. Das ist eine lange Zeit, da kann sich viel verändern. Ich habe ihnen die Möglichkeit gelassen, sich selbst zu befreien, wenn diese Zeit herum ist. Drei Jahre später im September waren sie dabei, herauszukommen, aber es war nichts so sehr anders als zuvor. Es wäre niemals gut gegangen, es lief doch alles so gut, entwickelte sich. Wenn sie all das kaputtgemacht hätten? Also habe ich dich geschaffen, um sie zu bewachen, und in deine Gedanken den Schlüssel gelegt.“
Julian blinzelte ungläubig.
„DU hast mich geschaffen?“
„Na, wer denn sonst?“
Insgeheim hatte er es geahnt, hatte die Andeutungen verstanden und die Sache schnell wieder verdrängt. ‚Wer hat schon das Glück, zu Lebzeiten seinem Schöpfer gegenüberzustehen’, dachte er sarkastisch.
„Warum hast du mir das nicht eher gesagt?“
Nun spiegelte sich Verblüffung in Farecs Gesicht.
„Du bist doch erst jetzt lebendig. Ich wusste ja nicht einmal, dass es überhaupt passiert. In deinem Programm liegt die Anweisung, eine eigene Entscheidung zuzulassen, wenn es an der Zeit ist. Aber es lag in deinem Ermessen. Es hätte genauso gut nie sein können. Es war eigentlich nichts weiter als ein Umwälzen der Verantwortung. Ich wollte den Zeitpunkt nicht bestimmen. Ich hätte sagen können, du willst ja nicht, und mich zurücklehnen können. Es war, als wäre es nicht ich gewesen, der den Zugang geschlossen hat. Ich konnte mich zurückziehen, das heißt, in diesen Körper einziehen, ohne die Last des schlechten Gewissens mit mir für jeden sichtbar umherzuschleppen. Ich fühlte mich nicht mehr als der, der die Tür geschlossen hatte in diesem Körper, jetzt konnte ich einfach Farec sein. Ich habe ein Mittel gefunden, meine Reue jemand anderem zu geben, und ich habe bereut, das kannst du glauben. Ein bisschen,“, schloss er, „bereue ich heute noch.“
„Dass ich da bin?“
„Nein, dass du darum da bist“

Ende des ersten Kapitels ... to be continued...



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