Ich und das Was auch immer
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zuletzt aktualisiert: 11. Dezember 2009


Wenn ich könnte, würde ich meine Kiste digitalisieren und hier vergraben. Ich glaube, hier gehört sie hin, weil ich hier Dinge aus meiner Psyche, den verwirrenderen Seiten meines Lebens und Dinge, an die ich mich erinnere hereinstelle. Das ist der Ort für die Stimmung, die meine Kiste hervorruft.

Ich habe eine Kiste. Sie ist aus Holz und hat zwei Metallverschlüsse, an einer Ecke klebt jahrealtes Gaffer-Tape und an zwei Stellen ist sie gebrochen, so dass man sich nicht wirklich daraufsetzen kann. Sie gehörte bis zum Sommer der 'besten Irish-Folk-Band aller bierproduzierenden Länder' (Zitat G.), den 'Sandsacks'. Sie traten auf einem Mittelaltermarkt in Henningsdorf bei Berlin auf, ich war dort. Als beim Abbau der Bühne jemand rief, die Kiste sei kaputt und kommt auf den Müll, warf ich mich schützend über sie und bettelte, sie behalten zu dürfen. Ich brauchte eine Kiste. Diese Kiste.

Ich habe Kartons und Schränke voll mit Zetteln und Zeug. Ich rühre meine Schränke höchst selten an, und in die meisten Kartons habe ich, außer zum aufräumen, seit Jahren nicht hineingesehen. Irgendwann wuchs in mir die Erkenntnis, dass ich nichts brauche.
Mit meinen Schränken ist es ein wenig wie mit meinem Leben - überall ist Zeug, und ich rühre es eigentlich nie an - aber wegwerfen könnte ich es nie, und wenn mich jemand fragt, wer ich bin, so ist Zeug wahrscheinlich das Erste, was ich ausgrabe, um nach einer Erklärung zu suchen. Erinnerungen sind ein wichtiger Teil meiner Identität, die Dinge, die ich erlebt habe, formen mich und erinnern mich daran, wer ich bin und warum. Genauso kann ich mich von Erinnerungsstücken daher nicht trennen. Ich habe Kiloweise Zettel mit Notizen, Gedanken, tagebuchähnlichen Einträgen und wichtig scheinenden Erkennntnissen, dazu haufenweise Gegenstände, die mich an Dinge erinnern. Dinge, die mir jemand geschenkt hat, Dinge, die ich für Leute gemacht habe, Dinge, die in bestimmten Phasen meines Lebens wichtig waren, angefangene Dinge, die ich niemals fertigbringen werde ... manchmal stehe ich vor all meinen Dingen und tue mir leid. Alles was du hast, hat irgendwann dich. Ich möchte nicht von Erinnerungen aufgefressen werden. Ich brauche Platz für die Gegenwart, und etwas begehbare Fläche vor mir für die Zukunft. Ich habe keinen Platz für Dinge.

Alle Dinge kamen in eine Kiste. Sie ist jetzt schon recht voll, und wenn ich in Kürze umziehe, werden auch die letzten Regale noch nach Dingen durchkämmt, die den Raum der Gegenwart mit Vergangenheit füllen.
Ich habe ein Gedächtnis. Ich brauche keine Dinge.

Die Kiste kommt in den Wald. Sie wird notdürftig repariert, leicht gepolstert und wasserdicht gemacht, und dann wird sie vergraben.
Was bleiben wird, ist eine Karte mit einem Kreuz an der Stelle, wo die Kiste ist - eine Erinnerung daran, dass es sie gibt und dass ich sie jederzeit wieder ausgraben könnte, in einer Form, die die Gegenwart nicht blockiert. Diese Karte werde ich mit mir herumtragen, ohne dass sie Gepäck ist, denn sie wird tätowiert.

Ab dann werden Erinnerungen gleich abgelegt, anstatt sie vor mir herzutragen, auszustellen und ihnen Andenken im Raum der Gegenwart zu setzen. Ich habe große Erwartungen an mich, und will mir nicht mehr selbst im Weg stehen.

Dieser Blog ist ein Ort, an dem digitale Dinge aufbewahrt werden. Notizen, Gedanken, tagebuchähnliche Einträge und wichtig erscheinende Erkenntnisse. Dies ist meine virtuelle Kiste.

Alter: 30
aus: 18057 Rostock
 

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